Projekte

Öffnung der Borsteler Binnenelbe

Auftraggeber: Electrabel Kraftwerk Stade GmbH & Co.KG
Projektlaufzeit: 2008-2009

Am Standort Stade Bützfleth werden in unmittelbarer Nähe drei Kohlekraftwerke geplant. Die Tideelbe zwischen Hamburg und Cuxhaven ist fast durchgängig als FFH-Gebiet gemeldet. Ausgenommen sind nur die Hafengebiete. Die Kraftwerke benötigen große Mengen Kühlwasser aus der Elbe. Dabei ist trotz aller Vorsorge- und Vermeidungsmaßnahmen nicht vollkommen zu vermeiden, dass es zu Beeinträchtigung von FFH-Arten kommt. Gerade für die Finte („Elbhering“) ist die Tideelbe ein wichtiges Laich- und Aufwuchsgebiet. Deshalb wird für die geplanten Kraftwerke eine kohärenzsichernde oder schadensminimierende Ausgleichsmaßnahme erforderlich sein.

Die Borsteler Binnenelbe mit einer Länge von ca. 3,5 km wurde in den 70er Jahren durch den Bau des neuen Hauptdeiches dem Tideneinfluss entzogen. Sie ist durch zwei tidekehrende Siele (Öffnungsquerschnitt jeweils 3,0 x 3,2 m, Länge des geschlossenen Siellaufes jeweils rd. 50 m) an die Hahnöfer Nebenelbe angebunden, die für Fische kaum passierbar sind. Durch einen Anschluss der Borsteler Binnenelbe an das natürliche Tidegeschehen könnte ein zusätzlicher Lebensraum von 20–50 ha (je nach Wasserstand) für die Finte geschaffen und ein guter Erhaltungszustand gestützt werden. Darüber hinaus wird auch eine Aufwertung für die sonstige Fischfauna erfolgen.

Die strömungsberuhigten Flachwasserbereiche können als Rückzugs- und Aufwuchsbereiche für die Anhang-II-Art Finte dienen. Gerade Larven und juvenile Finten halten sich bevorzugt in ufernahen Wasserstellen mit geringer Strömungsgeschwindigkeit auf. Durch die hier diskutierten Maßnahmen wird vermutlich die Primärproduktion und damit die Nahrungssituation verbessert. Um die fischbiologischen Ziele zu erreichen, müssten statt der jetzt vorhandenen Siele neue Öffnungsbauwerke mit einer Breits von etwa 25 m im Hauptdeich der Elbe gebaut werden, um einerseits einen Tideeinfluss in der Borsteler Binnenelbe zu ermöglichen und andererseits eine durchgängige Küstenschutzlinie entlang der Elbe zu gewährleisten. Außerdem müsste entlang des Südufers der Borsteler Binnenelbe und des Stichkanals zum Borsteler Hafen eine Verwallung mit einer Höhe von etwa 2,5 m gebaut werden, um normale Tiden beherrschen zu können (Länge rd. 4.500 m).

Die Arsu GmbH wurde, in Kooperation mit der IHP Ingenieurgesellschaft, Stade, von Electrabel Kraftwerk Stade damit beauftragt, eine Machbarkeitsstudie zu erstellen. Wenn das Ergebnis der Machbarkeitsstudie positiv ausfällt (Kriterien sind die ökologische Effizienz, technische Machbarkeit und politische Akzeptanz), dann wird in direktem Anschluss ein Planfeststellungsverfahren zur „Öffnung der Borsteler Binnenelbe“ begonnen.